Zentralverband des
Deutschen Handwerks
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"Unsere Arbeit benötigt leider nun mal viel Energie"

Die aktuell hohen Energiekosten belasten die Wäscherei und Textilreinigung von Sven Paar in einem hohen Maße. Wenig überraschend, denn Textilreiniger gehören zu den energieintensiven Gewerken und haben im Branchenvergleich den höchsten Energieverbrauch.
Sven Paar in seiner Wäscherei

Die Nachricht vom Energieversorger mit den Preisanpassungen blieb auch Sven Paar nicht erspart. Der Versorger hat Preiserhöhungen angekündigt für Strom (+99 Prozent) und Gas (+296 Prozent). Und weitere Preissteigerungen seien bei den Netznutzungsentgelten für Gas, aber auch bei Wasser und Abwasser zu erwarten. "Die Lage ist angespannt", sagt Sven Paar, der seine Wäscherei und Textilreinigung erfolgreich in dritter Generation im baden-württembergischen Walldürn führt. "Dazu trägt auch die ständige Unsicherheit bei, wie die Kunden mit all den Kostensteigerungen umgehen werden." Ein ehemaliger Kunde, ein Hotel, hat mittlerweile geschlossen, es vermietet jetzt seine Zimmer an Studenten, berichtet der Unternehmer. Glücklicherweise ist das noch die Ausnahme, so Paar. Aber es sei schon deutlich zu spüren, dass die Kundinnen und Kunden ins Grübeln kommen und ihre Optionen prüfen. Kleinere Aufträge, die vor zwei bis drei Jahren noch auf dem Tisch von Herrn Paar landeten, bleiben heutzutage aus.

"Wir mussten erhöhen, ob der Kunde wollte oder nicht."

Durch die massiven Kostensteigerungen für die Wäscherei blieb Sven Paar nichts anderes übrig, als auch seine Kundenverträge entsprechend anzupassen. "Wir konnten hier keine Ausnahme machen, denn bei diesen massiven Kostensteigerungen bedeutet dies ansonsten für uns sofort einen Verlust." Problem nur: Preiserhöhungen sind bei öffentlichen Auftraggebern mit festgeschriebenen Preisen oder Kunden aus dem Gesundheitswesen, die wiederum mit Krankenkassensätzen arbeiten, nicht ohne weiteres möglich. Die Wäscherei Paar versorgt unter anderem über 43 Altenpflegeheime und Krankenhäuser, 46 Hotels und über 35 Restaurants.

Energieeffizienz als Wettbewerbsvorteil

Die Textilreinigung ist energieintensiv und Energieeffizienzmaßnahmen sind vor allem in heutigen Zeiten ein klarer Wettbewerbsvorteil. "Wir sind immer gewillt zu optimieren, da wir einer Branche angehören, in der ein hoher Wettbewerb um Preise stattfindet." Für Paar war es daher selbstverständlich, weit vor der aktuellen Energiekrise beispielsweise moderne Gastrockner anzuschaffen oder Wärmerückgewinnung aus dem Waschwasser zu nutzen. Aber Optimierung hin oder her, "schmutzige Wäsche muss nun mal mit hoher Temperatur gewaschen werden und auch Wäsche, die vollgetrocknet werden muss, braucht leider viel Energie", so der Wäsche-Profi.

Sven Paar schaut dennoch mit Zuversicht in die Zukunft. "Wir legen Wert auf qualitativ gute Arbeit. Keine Masse, sondern Klasse", so das Leitmotiv des Unternehmers.


Hintergrundinformationen "Textilreinigung"

Die Betriebe in der Wäscherei- und Reinigungsbranche schlagen Alarm. Laut einer Umfrage des Deutschen Textilreinigungs-Verbandes (DTV) schreibt jede dritte Wäscherei und Reinigung bereits rote Zahlen. Und die Prognosen sehen noch düsterer aus: Für die kommenden Monate prognostizieren sogar neun von zehn Betrieben Verluste, da ihre Versorgungsverträge auslaufen. Aber neben den hohen Energiekosten sind auch die Preise für Textilien und Chemie, steigende Personalkosten sowie Lieferengpässe bei Maschinen und Textilien Kostentreiber.

Das Textilreinigungsgewerbe an der Spitze beim Energieverbrauch

Im Durchschnitt verwenden Textilreinigungsunternehmen 10 - 15 Prozent ihres Jahresumsatzes, um ihre Energiekosten zu decken. Im Branchenvergleich aller deutschen Handwerksbetriebe führen sie damit das Feld der Energieverbraucher an. Der Verbrauch teilt sich im Durchschnitt zu 10 - 15 Prozent für elektrische Antriebsenergie/ Beleuchtung und zu 85 ‑ 90 Prozent für die Erzeugung von Prozesswärme auf. Der mit Abstand größte Wärmeenergiebedarf wird eingesetzt, um den Prozessdampf zu erzeugen. Die vorherrschende Energiequelle zur Erzeugung der Prozesswärme ist Gas. Dieses gilt als besonders energieeffizient und vor Kurzem war es noch günstig.

Schriftzug "Mittelstandsinitiative Energiewende und Klimaschutz"

Weitere Informationen zum Energiebedarf im Textilreinigungsgewerbe finden Sie bei der Mittelstandinitiative Energiewende und Klimaschutz (MIE).

Mehr Informationen

Wäschereien und Reinigungen sind systemrelevant

Haben Sie es gewusst? Wäschereien und Reinigungen versorgen in Deutschland mehr als eine Million Pflegekräfte mit hygienischer Bekleidung. Auch Polizei, Feuerwehr oder Lebensmittelindustrie können nur mit hygienischer Berufsbekleidung arbeiten. Und Hotellerie sowie Gastronomie sind gängige Großkunden bei Reinigungen. Wenn die Textilreiniger in großer Zahl insolvent gehen oder aber ihre Betriebe schließen, sind also viele systemrelevante Berufe direkt und unmittelbar betroffen.

Energieeffizienz-Potenziale bergen

Bei hohem Energieverbrauch schlummern möglicherweise auch Energieeinsparpotenziale. Neben technischen Lösungen und der Optimierung von betrieblichen Arbeitsabläufen können signifikante Energieeinsparungen auch durch Änderungen des Nutzerverhaltens erzielt werden. 

Videos zur Energieeffizienz bei Wäschereien/Textilreinigungen:

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Das Handwerk ist auf eine bezahlbare und verlässliche Energieversorgung angewiesen. Die ZDH-Sonderumfrage zeigt, wie dramatisch die Lage ist. Bei 83 Prozent der Handwerksbetriebe sind die Energiekosten seit dem Jahresbeginn 2022 massiv und im Mittel um 64 Prozent gestiegen. Diese enorm gestiegenen Kosten bringen viele Handwerksbetriebe in existentielle Bedrängnis. Das trifft insbesondere auf die energieintensiven Gewerke zu, die im Zuge der "Handwerk-Stories" im Einzelnen genauer betrachtet werden.